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Aufruf zum Stadtrundgang und der Barmer Demo

Entschädigungen für ZwangsarbeiterInnen erkämpfen ! - SchreibtischtäterInnen und RassistInnen belästigen! - FaschistInnen angreifen!



Heraus zum antifaschistischen und antirassistischen Stadtrundgang am 7. November in Wuppertal 14 Uhr Schwebebahnhof Döppersberg


Wir rufen euch auf, auch dieses Jahr zum Stadtrundgang nach Wuppertal zu kommen. Auf den Spuren eines rassistischen Wuppertaler Polizeipräsidenten, vor den Privathäusern der Schreibtischtäter vom Ausländeramt, vor den Fenstern von ausgewiesenen Nazi-Kadern und bei der Wuppertaler Bonzen-Pressenacht werden wir ein buntes Prograrnrn gestalten. Unser politischer Beitrag zum 60. Jahrestag der sogenannten Reichsprogromnacht von 1938 wird die öffentliche Thematisierung der Zwangsarbeit in Wuppertal, des staatliche Rassismus und des Neofaschismus in Wuppertal sein. "Die Vernunft begibt sich auf die Straße!" (Johannes Agnoh)


"Traurig, aber wahr: der Polizeipräsident ist ein Rassist

Startschuß des Stadtrundgangs ist die Schwebebahnstation Döppersberg. Dort ist die Polizeiwache untergebracht, die sich schwerpunktmäßig mit der Verfolgung von Drogendelikten "beschäftigt". Die teilweise namentlich bekannten Beamten mißhandeln vor allem ausländische Menschen und Drogenkranke, und setzen so die Richtlinien der rotgrunen Steuerungsgruppe "Saubere Innenstadt" mit Polizeigewalt durch. Höhepunkt der Kampagne war der in der WZ vom 15.10.98 veröffentlichte Aufruf des Polizeipräsidenten Klaus Köhler zur Menschen-Hatz auf schwarze Menschen in der Elberfelder Innenstadt. "90-95% der Farbigen die durch die Elberftider Innenstadt ziehen, sind nach unseren Feststellungen Dealer. Dies sei kein Rassismus, sondern traunge Realität". Ein paar Tage später "präzisierte" er: "Die Leute um die es geht, kann man deutlich erkennen. Sie lungern dort herum, tragen die neuste Sportmode, Baseballkappen und sind mit Handys ausgerüstet. Diese Schwarzafrikaner, die aus den Asylbewerberheimen des Umlandes kamen, überschwemmten seit einiger Zeit Elberfeld". Diese Sätze aus berufenem Polizeipräsidenten-Mund sind nichts anderes als polizeiliche Volksverhetzung. Schwarze werden zu Freiwild erklärt, die Elberfelder Innenstadt wird zum go-area" Gebiet für Schwarze erklärt. Schwarze haben dort nicht mehr zu suchen.
Diese ungeheuerliche rassistische Stigmatisierung der schwarzen Menschen werden wir nicht widerstandslos hinnehmen. Deswegen werden wir unseren Widerstand an geeigneter Stelle im Stadtgebiet thematisieren.


Geld her! Entschädigungen für ZwangsarbeiterInnen jetzt!

Über 30.000 Zivilarbeiter und Kriegsgefangene wurden in den Jahren 1941-1945 in Wuppertal bei über 130 Firmen zur Sklavenarbeit gezwungen. Damit haben fast alle damaligen Wuppertaler Firmen an der Arbeitskraft der verschleppten Frauen und Männer kräftig mitverdient. Einzelne Wuppertaler Firmen wie die IG-Farben und Siemens "leisteten" sich sogar Zwangsarbeitslager in Polen oder in der Nähe von Konzentrationslagern, wo die "Vernichtung durch Arbeit" noch bessere Profitraten versprach. Der Arbeitseinsatz der Arbeitssklaven fand in aller Öffentlichkeit statt. Die deutsche Bevölkerung konnte täglich die Kolonnen halbverhungerter Zwangsarbeiterinnen sehen, die durch die Straßen der Städte in die Fabriken marschierten. Die "Fremdarbeiter" gehörten zum Kriegsalltag wie Lebensmittelkarten und Luftschutzbunker, nur das die Arbeitssklaven weder bei Luftangriffen die Bunker aufsuchen durften noch menschenwürdig verpflegt wurden.
Die meisten der Wuppertaler Arbeitssklaven sind nie entschädigt worden. Altbekannte Wuppertaler Firmen von Bayer (IG Farben), Delphi (Reinshagen) Herberts, Kugelfischer (Jaeger) über Kremendahl ( so heißt doch unser Oberbürgermeister), bis Vonzumhoff haben sich bereichert und sind nie zu einer Entschädigung herangezogen, geschweige denn zur politischen Verantwortung gezogen worden. Wir wollen deswegen den 9. November als Tag der Erinnerung nutzen, und von den betroffenen Firmen in Wuppertal wissen, wann sie gedenken Entschädigungszahlungen an die vor allem osteuropäischen ZwangsarbeiterInnen zu zahlen.
Wir werden uns nach Kräften bemühen, überlebende Zwangsarbeiterinnen ausfindig zu machen, um ausgewählte Wuppertaler Unternehmen mit Entschädigungsklagen zu konfrontieren, die sie möglicherweise nicht mehr aus der Portokasse bezahlen können und die ihnen hoffentliche "gewisse Imageprobleme" im Ausland bereiten könnten. Und der Stadtrundgang könnte der Startschuß für eine gezielte Kampagne gegen die Wuppertaler Firmen sein, die sich standhaft verweigern sollten. Wir finden es beschämend, daß die Zwangsarbeiterlnen vor allem aus dem ehemaligen Ostblock in elenden Verhältnissen ihren Lebensabend fristen müssen und bisher nur vollkommen ungenügend entschädigt worden sind. Die Verbände der ZwangsarbeiterInnen fordern deswegen eine angemessene Entschädigung, sie fordern lebenswürdige Verhältnisse für alle Überlebende des Holocaust und der Zwangsarbeitsiager! Sie fordern eine angemessene Rentenzahlung und ausreichende Krankenversorgung für die noch lebenden Zwangsarbeiterinnen.

Wir fordern darüberhinaus für Wuppertal von den Firmen finanzierte Besuchsprogrannne und Einladungen für die Zwangsarbeiterinnen der Wuppertaler Firmen, wir fordern die Öffnung der Betriebsarchive und Personalunterlagen in Betrieben und Archiven, um unabhängigen Historikerinnen Einsicht zu ermöglichen. Und wir fordern von denjenigen Wuppertaler Firmen, die von der Arisierung und von jüdischer Zwangsarbeit profitiert haben, die Finanzierung des Neubaus der Synagoge in Wuppertal. Wir werden die Herren der Stadt mit ihren Gattinnen an ihrem Presseball in der Stadthalle mir unseren Forderungen nach Entschädigungszahlungen konfrontieren. Mit einem Infostand im Eingangsbereich der Stadthalle werden wir den "Unternehmern", Politikerlunen und Reichen dieser Stadt im Wege stehen. Wir werden es uns nicht nehrnen lassen, die Herren von Bayer, Herberts und Siemens persönlich und sehr konkret zu begrüßen. Deswegen wollen wir uns ab ca. 19.30 Uhr vor der Stadthalle versammeln, um den Reichen der Stadt, die Stimmung zu versauen.


Schreibtischtäter haben Namen und Adressen!

Die Schreibtischtäter in der Regierung sind sehr flexibel: Wenn es außenpolitisch in den Kram passt, wird die traurige Lage der Flüchtlinge im Kosovo ausgeschlachtet, wahrend der BGS zur gleichen Zeit Kosovo-Albanerlnnen durch Verfolgungjagden an der Ostgrenze in den Tod hetzt und die Überlebenden nach Tschechien abschiebt. Auch die Abschiebemaschinerie in Büren und Neuss läuft wie geschmiert per Charterflugzeug in die Krisen- und Hungerregionen der Welt.
Es wird sich nichts verändern. Auch rotgrüne Abschiebungen, rotgrüne BGS-Menschenjäger und rotgrune Abschiebeknäste werden wir bekämpfen. Deshalb wollen wir auch dieses Jahr die Beschäftigten des Ausländerarntes in Wuppertal mit den Folgen ihrer Schreibtischtäter-Tätigkeit kontrontieren. Mit Freude haben wir zur Kenntnis genommen, das beim Wuppertaler Ausländeramt kaum einer einer mehr arbeiten will. So zumindest die Westdeutsche Zeitung in einem Artikel. Diese "Arbeitsmüdigkeit" gilt es zu verstärken. Mit einem Besuch bei ausgewählten Schreibtischtätern wollen wir deutlich machen, daß die Abschiebung und die Beihilfe zur Abschiebung in Folter Hunger und Tod kein Kavalierrsdelikt, sondern menschenverachtend ist. Erst kürzlich kam es in zwei Wuppertaler Schulen zu öffentlichen Auftritten von Menschenjägern des Ausländerarntes. Zwei bosnische Kinder wurden aus der Klasse zur Verschiebung in eine Massenunterkunft nach Duisburg "abgeholt". Nur durch den massiven Protest von LehrerInnen, Eltern und MitschülerInnen konnte dieser "Verwaltungsakt" wieder rückgängig gemacht werden. Diesen Teil des Stadtrundganges widmen wir deswegen einem dieser Herren.
Als vor vor 46 Jahren am Steinbecker Bahnhof ein Transport mit 202 Wuppertaler JüdInnen in das Ghetto nach Lodz abging, wurde von der Wuppertaler Bevölkerung nicht wegeschaut, sondern zugeschaut. Menschenschicksale wurden in bürokratische Vorgänge zerlegt. Gemordet wurde weit weg im Osten. Im demokratisch geläuterten Deutschland geht natürlich nicht um industriemäßigen Massenmord. Nach den ungeheuerlichen Verbrechen der Deutschen, nach der Ungeheuerlichkeit und Singularität von Auschwitz sollten wir mit Vergleichen vorsichtig sein. Aber die Geschichte des Holocausts begann im zivilisierten Deutschland mit rassistischen Sondergesetzen, Pogromen und bürokratisch gutorganisierten Deportationen in "sichere Drittstaaten". Jüdische SchülerInnen wurden gerne von der Gestapo aus ihren Klassen abgeholt. Und auch die Deportationen von gestern nach Lodz, Theresienstadt und Auschwitz wurden den Verschleppten von den deutschen Behörden in Rechnung gestellt. Nicht mal der Tod war umsonst!



Kein Vergeben Kein Vergessen!
Zurück auf die Straße!






Kommt auch zum Spatenstich für die neue Synagoge am 9. November um 16.00 Uhr nach Wuppertal Barmen, anschließend antifaschistische Demonstration zum 9. November:

Beginn 17.30 in Wuppertal Barmen







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Stand: 29.10.1998